Getränke
Zobo, Bissap, Karkadé: das rote Hibiskusgetränk und wie man es selbst macht
Kaum ein Getränk hat so viele Namen: In Nigeria heisst es Zobo, im Senegal Bissap, in Ägypten Karkadé und in Mexiko Agua de Jamaica. Gemeint ist immer dasselbe: ein tiefrotes, leicht säuerliches Getränk aus den getrockneten Kelchblättern der Roselle, einer Hibiskusart. Bei uns kennt man es vor allem als Bestandteil von Früchtetees, die ihre rote Farbe fast immer dem Hibiskus verdanken.
Wie schmeckt Hibiskus?
Pur erinnert der Geschmack an Cranberry oder Johannisbeere: fruchtig, herb und deutlich sauer. Genau deshalb wird das Getränk traditionell gesüsst und mit Gewürzen verfeinert. In Westafrika kommen Ingwer, Nelken und manchmal Ananasschalen dazu, in Mexiko eher Zimt und Limette. Heiss getrunken wärmt Hibiskus im Winter, kalt ist er ein erfrischender Durstlöscher für den Sommer.
Grundrezept für einen Liter
- 20 bis 25 g getrocknete Hibiskusblüten (Drogerie, Teegeschäft oder Afro-Shop)
- 1 Liter Wasser
- ein daumengrosses Stück frischer Ingwer, in Scheiben
- nach Belieben 2 Nelken, eine Zimtstange und etwas Orangenschale
- Süsse nach Geschmack, zum Beispiel 1 bis 2 Esslöffel Honig
Die Blüten kurz kalt abspülen, mit Ingwer und Gewürzen ins kochende Wasser geben und zehn Minuten leise köcheln lassen. Danach weitere zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Süssen Sie erst, wenn das Getränk etwas abgekühlt ist, dann brauchen Sie deutlich weniger Zucker oder Honig. Im Kühlschrank hält es sich in einer sauberen Glasflasche drei bis vier Tage.
Kalt angesetzt: milder und weniger sauer
Wer es weniger herb mag, setzt Hibiskus kalt an: Blüten mit kaltem Wasser übergiessen und acht bis zwölf Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Das Ergebnis ist milder, fruchtiger und braucht fast keine Süsse. Ein paar Minzblätter oder Gurkenscheiben machen daraus im Sommer ein schönes Apéro-Getränk ohne Alkohol.
Was steckt drin?
Die rote Farbe stammt von Anthocyanen, das sind Pflanzenfarbstoffe, die auch in Heidelbeeren oder Rotkohl vorkommen. Ausserdem enthält Hibiskustee Fruchtsäuren und ist von Natur aus koffeinfrei. Einige kleinere Studien deuten darauf hin, dass regelmässiger Hibiskustee den Blutdruck leicht senken kann. Ein Medikament ersetzt er aber nicht. Wer blutdrucksenkende Mittel nimmt, schwanger ist oder stillt, bespricht grössere Mengen besser vorher mit der Ärztin oder dem Apotheker.
Tipps für den Alltag
Weil Hibiskus sauer ist, greift er wie Fruchtsaft den Zahnschmelz an. Trinken Sie ihn deshalb lieber zu den Mahlzeiten als den ganzen Tag über in kleinen Schlucken, und putzen Sie die Zähne nicht direkt danach, sondern erst nach etwa einer halben Stunde. Und: Hibiskus färbt. Helle Tischtücher und Holzbretter freuen sich über ein schnelles Abwischen.
Selbst gemacht ist das Getränk übrigens fast immer gesünder als die fertigen Varianten aus dem Kühlregal. Sie bestimmen, wie viel Zucker hineinkommt, und können mit Gewürzen spielen, bis Sie Ihre Lieblingsmischung gefunden haben.